Polenreise
vom 1. bis 10. Oktober 2004 [1] [2] [PDF]
Fortsetzung
Zum Ausgleich für intensive, mitunter ganztägige Proben ging’s zum Auslüften einen Tag ins nahe Riesengebirge. Die Schneekoppe lockte: drei Stunden Wandern und mit dem Sessellift wieder ins Tal durch wunderschöne Herbstlandschaft. Oder umgekehrt. Die Busfahrt verkürzte ein Reiseleiter mit Legenden und selbstgereimten Balladen von Burgen, Rittern und Rübezahl.
Schließlich, am sechsten Tag, das erste Ziel der Reise: Konzert in der einzigen protestantischen, deutschen Gemeinde von Breslau. Die Jugendstilkirche, erst vor kurzem von einem Kinosaal wieder ins Gotteshaus zurückverwandelt und frisch renoviert, war gedrängt voll, die Kirchentüren blieben offen. Die Klänge der c-Moll-Messe von Mozart und des Bachschen „Magnificat“ drangen auch nach draußen und lockten weitere Besucher an. Die Zuhörer, an eine solche Musik in ihrer Kirche ganz und gar nicht gewöhnt, schienen voller Dankbarkeit. Der perfekt zweisprachige Pfarrer der Gemeinde hofft nun schon, uns jedes Jahr dort zu sehen ...
In Krakau, der nächsten Station, mussten wir dagegen beim abendlichen Bummel und vormittäglichen Stadtrundgang noch eifrig per Handzettel für uns werben. Sechs andere Konzerte, erfuhren wir, machten uns am gleichen Abend Konkurrenz. Dennoch waren die Stuhlreihen in der großen, hohen St. Katharinenkirche gut besetzt, als unsere beiden Dirigenten - von Hektik, Verkehrsstau und Podestaufbau erschöpft, aber doch voll konzentriert - nacheinander den Stab hoben, um das Ergebnis tage- und nächtelanger, akribischer Probenarbeit zum Klingen zu bringen.
Ein letzter Tag blieb uns noch, um das vielgerühmte alte Krakau innerhalb der dicken Mauern touristisch zu würdigen. Einige wagten sich auch nach Auschwitz, andere in das einzigartige Salzbergwerk von Wieliczka. Jene aber, die nur bummeln wollten zwischen den vielen Kirchen, Cafés und Bernsteinläden, zwischen Wawel, Tuchhalle und dem alten jüdischen Viertel Kazimiers, staunten über das geradezu italienische Flair dieser unzerstörten, sehr lebendigen Altstadt. Und sammelten genügend Eindrücke und Einsichten, um am Ende zu wissen: Hier wollen wir mal wieder hin!
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